
Internationale Bildformate
Ein Kunstdruck aus New York, eine Grafik vom Flohmarkt in Paris oder ein Foto aus London und zu Hause stellt sich heraus: Keiner der vorhandenen Bilderrahmen passt so richtig. Der Grund dafür liegt nicht unbedingt in einem ungewöhnlichen Kunstwerk, sondern häufig schlicht im Format. Denn auch wenn uns Masse wie DIN A4 oder DIN A3 selbstverständlich erscheinen, sind Bild-, Papier- und Rahmenformate international keineswegs einheitlich.
Von DIN A4 zum internationalen Standard
In Deutschland begegnen uns DIN-Formate beinahe überall. Ihren Ursprung haben sie in der 1922 veröffentlichten deutschen Norm DIN 476. Ihr Prinzip ist ebenso einfach wie praktisch: Die Formate der A-Reihe besitzen immer dasselbe Seitenverhältnis von 1 : √2. Halbiert man einen Bogen entlang seiner längeren Seite, entsteht das nächstkleinere Format: aus A3 wird A4, aus A4 wird A5. Die Proportionen bleiben dabei erhalten.
Aus der deutschen Norm entwickelte sich später ein internationaler Standard. Heute sind die A- und B-Reihen in der ISO 216 festgelegt. Sie werden in weiten Teilen Europas und der Welt verwendet.
Allerdings gilt die Norm in erster Linie für Papier und bestimmte Druckerzeugnisse. Das bedeutet nicht automatisch, dass alle Bilderrahmen, Fotografien, Poster oder Kunstwerke ebenfalls DIN-Masse besitzen. Gerade bei der Rahmung begegnen uns deshalb noch zahlreiche weitere Formate.
Andere Masse jenseits des Atlantiks
Besonders deutlich werden die Unterschiede in Nordamerika. In den USA sind Masse in Inch beziehungsweise Zoll nach wie vor üblich. Schon das Standardpapier unterscheidet sich: Während DIN A4 21 × 29,7 cm misst, hat das amerikanische Letter-Format mit 8,5 × 11 Inch umgerechnet etwa 21,6 × 27,9 cm.
Auch für Fotografien, Kunstdrucke und Rahmen sind Zollmasse verbreitet. Typische Formate sind beispielsweise:
- 4 × 6 Inch – ca. 10,2 × 15,2 cm
- 5 × 7 Inch – ca. 12,7 × 17,8 cm
- 8 × 10 Inch – ca. 20,3 × 25,4 cm
- 11 × 14 Inch – ca. 27,9 × 35,6 cm
- 16 × 20 Inch – ca. 40,6 × 50,8 cm
Schon wenige Millimeter oder Zentimeter Abweichung reichen also aus, damit ein amerikanischer Print nicht in einen hier üblichen Standardrahmen passt.
Grossbritannien: zwischen Inch und Zentimeter
In Grossbritannien treffen heute unterschiedliche Systeme aufeinander. Für Poster, Zertifikate und viele Kunstdrucke sind die internationalen A-Formate weit verbreitet. Gleichzeitig spielen insbesondere bei Fotografien und Bilderrahmen traditionelle Inch-Maße weiterhin eine große Rolle. Im Handel findet man deshalb sowohl Rahmen für A4 oder A3 als auch Grössen wie 6 × 4, 7 × 5 oder 10 × 8 Inch.
Wer Kunst oder Fotografien aus Grossbritannien mitbringt, sollte deshalb nicht allein nach einer Bezeichnung wie „Standard Size“ gehen, sondern immer die tatsächlichen Masse prüfen.
Frankreich: Formate mit kunsthistorischer Tradition
Noch einen Schritt weiter zurück in die Geschichte führen traditionelle französische Künstlerformate. Im 19. Jahrhundert etablierten sich dort standardisierte Leinwandgrössen, die sich sogar nach dem Bildmotiv unterschieden.
Dabei steht F für Figure, also Figuren- beziehungsweise Porträtbilder, P für Paysage, die Landschaft, und M für Marine, das Seestück. Hinter einer Bezeichnung wie „10 F“ oder „10 P“ verbergen sich deshalb unterschiedliche Proportionen: 10 F entspricht beispielsweise 55 × 46 cm, 10 P 55 × 38 cm und 10 M 55 × 33 cm. Die Grössen wurden im 19. Jahrhundert standardisiert und sind teilweise bis heute im Künstlerbedarf anzutreffen.
Das Beispiel zeigt besonders schön, dass Bildformate nicht nur das Ergebnis technischer Normierung sind. Sie sind auch durch die Geschichte der Kunst, durch Bildgattungen, Herstellungstechniken und regionale Gewohnheiten geprägt.
Warum unterscheiden sich Bildformate überhaupt?
Unsere heutigen Formate haben unterschiedliche Ursprünge. Papierherstellung und Drucktechnik verlangten nach Massen, die sich möglichst rationell nutzen ließen. Die Fotografie brachte wiederum eigene Formate hervor, die sich an Film- und Fotopapier orientierten. Malerei und Künstlerbedarf entwickelten parallel dazu standardisierte Leinwand- und Keilrahmengrößen.
Dazu kommen unterschiedliche Masssysteme: Während sich in Europa das metrische System durchgesetzt hat, begegnen uns in den USA und teilweise in Grossbritannien bis heute Angaben in Inch.
Das Ergebnis ist eine Vielzahl von Formaten, die sich zwar häufig ähneln, aber eben nicht immer exakt übereinstimmen.
Was tun, wenn das Bild nicht in den Rahmen passt?
Sie haben im Urlaub eine Druckgrafik entdeckt oder einen Print aus dem Ausland bestellt und dessen Masse entsprechen keinem gängigen Rahmenformat? Dann gibt es mehrere Möglichkeiten.
Die passgenaueste Lösung ist ein Bilderrahmen nach Mass. Dabei wird der Rahmen exakt für die Abmessungen Ihres Bildes angefertigt. Das bietet sich besonders bei ungewöhnlichen Formaten, wertvollen Originalen oder Kunstwerken an, bei denen die gesamte Papierfläche sichtbar bleiben soll.
Eine zweite Möglichkeit ist ein Passepartout. Vor allem dann, wenn bereits ein grösserer Rahmen in einem Standardmass vorhanden ist, lässt sich damit der Unterschied zwischen Bild- und Rahmenformat elegant ausgleichen. Der individuell zugeschnittene Ausschnitt wird auf das tatsächliche Bildmass abgestimmt, während das Aussenmass zum Rahmen passt.
Ein Passepartout erfüllt dabei nicht nur eine praktische Funktion. Es schafft Abstand zwischen Bild und Rahmen, gibt dem Motiv optisch mehr Raum und kann die gesamte Rahmung hochwertiger wirken lassen. Gleichzeitig sorgt es dafür, dass empfindliches Papier nicht unmittelbar am Glas anliegt.
Worauf Sie bei den Maßen achten sollten und wie Sie ein Passepartout richtig auswählen, erfahren Sie in unserer Magazin-Rubrik Passepartout: Wirkung, Grösse, Gestaltung und Einrahmung.
Fazit
Ob DIN, Inch oder ein französisches Künstlerformat: Wer die Unterschiede kennt, findet für jedes Bild die passende Rahmung – unabhängig davon, woher es stammt.















